Pee Wee Ellis im Bamberger Jazzclub: enttäuschend!?

Pee Wee Ellis

Pee Wee Ellis

Ein Konzert, viele Besucher/innen, noch mehr Meinungen – so ist das ja häufig. In diesem konkreten Fall, dem Konzert des ehemamligen Mitglied der J.B. Horns, Pee Wee Ellis, im Bamberger Jazzclub vielleicht noch mehr als sonst. Denn dieses Konzert war ja angesichts der Vita des mittlerweile 73-jährigen Tenorsaxophonisten der James Brown Band, einer Ikone des Soul und Funk, mit hohen Erwartungen verbunden. Um es vorweg zu sagen: diese Erwartungen wurden, jedenfalls bei mir, herb enttäuscht.

Das hatte mehrere Gründe: Zum einen geht es Ellis offenbar gesundheitlich ziemlich schlecht, er kann nur mit Mühe gehen, musste das ganze Konzert im Sitzen verbringen (was aber auch mit Schmerzen verbunden zu sein schien). Auch ansonsten schien er recht angeschlagen, gesungen hat er keinen einzigen Ton und auch gesprochen hat er keine Silbe. Sein Saxophonspiel war weit entfernt von der Kraft und dem Feuer seiner besten Jahre, manchmal hatte er hörbar Intonationsprobleme.

Ich weiß nicht, ob Ellis gut beraten ist, in diesem Zustand weiterhin Konzerte zu geben. Wahrscheinlich muss er es: Es ist ja bekannt, wie schlecht James Brown seine Musiker bezahlt hat (wenn überhaupt). Und auch in den vergangenen Jahrzehnten wird Pee Wee Ellis kaum so gut verdient haben, dass er sich bequem aufs Altenteil zurückziehen könnte. Insofern ist das Adjektiv „enttäuschend“ vielleicht nicht ganz korrekt. „Traurig“ wäre wohl angemessener. Denn das ist es, wenn ein Mann mit seinem Können und seinen musikalischen Verdiensten sich so etwas weiterhin zumuten muss.

So zieht er also weiter durch die Lande (er spielt zudem bei Ginger Baker’s Jazz Confusion) – in diesem Fall mit der Band des Gitarristen und Sängers Paddy Korn. Und das war der zweite Grund für die Enttäuschung in diesem Konzert. Sie bestritt nämlich den gesamten ersten Set alleine, also ohne Ellis. Wenn das vom Jazzclub-Vorstandsmitglied Marianne Benz als „in den USA üblich“ angekündigt wurde, so fragt man sich (falls diese Bemerkung nicht sarkastisch gemeint war), woher sie diese Information bezogen hat. Mir ist das jedenfalls in einem US-Jazzclub noch nicht passiert. Und 22 Euro waren vor diesem Hintergrund schon ein ganz erklecklicher Eintrittspreis.

Paddy Korn

Paddy Korn

Tja, und die Paddy Korn Group selbst? Spielte einen durchaus akzeptablen Souljazz, Korn ist ein versierter Gitarrist. Wenn sie sich auf Instrumentals beschränkt hätten, dann wären sie als „support act“ im Stile von Booker T. and the MGS durchgegangen. Aber: Korn versuchte sich leider auch als Blues- und Soulshouter. Und dafür fehlt ihm einfach die Schwärze in der Stimme.

Vielleicht bin ich ja ungerecht, vielleicht lag es an meinen hochgeschraubten Erwartungen. Aber vor knapp einem Jahr habe ich München Ellis‘ ehemaligen Partner bei den J.B. Horns, den Alt-Saxophonisten Maceo Parker, im Konzert erlebt. Und der nur wenig jüngere Parker zeigte, wie es auch sein kann: eine begeisternde Soul-, Jazz- und Funk-Revue, weit länger als zwei Stunden, kein support act, tolle Band, Klasse-Sängerinnen. Und ein Maceo Parker in Top-Form, auch als Sänger. Aber wie gesagt: wahrscheinlich ist ein solcher Vergleich ungerecht.

Eine etwas positivere Besprechung des Konzerts fand sich im FT, aber auch dort ist zu spüren, dass man eigentlich mehr hätte erwarten dürfen. Nachzulesen auf den Seiten des Jazzclubs.

Wer sich ein eigenes Urteil bilden will: Auf meinem YouTube-Kanal gibt es einen kleinen Ausschnitt des Konzerts zu sehen und zu hören.

Layla Zoe: Konzert im Bamberger Live-Club

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Layla Zoe in Bamberg

Das Datum des Auftritts, der 3. Oktober, passte zur Sängerin: Am Vorabend des 44. Todestags von Janis Joplin trat im Bamberger Live-Club eine jener (wenigen) Vokalistinnen auf, die das Erbe der unvergessenen Texanerin hochhalten: Layla Zoe, die hoffnungsvolle Blues-Röhre aus Kanada. Obwohl auch schon Mitte 30 und in ihrer Heimat durchaus bekannt und geschätzt, ist sie in Europa eher immer noch ein Insider-Tipp. Daran ändert sich zumindest im deutschsprachigen Raum erst etwas, seit sie der hierzulande sehr renommierte Blues-Gitarrist Henrik Freischlader unter die Fittiche genommen und gemeinsam mit ihr auf Tournee gegangen ist. Ins Bamberger Konzert waren allerdings kaum mehr als 100-120 Besucher/innen gekommen. Ob das an der Unkenntnis der hiesigen Szene oder den für Bamberger Verhältniss doch recht üppigen Eintrittspreisen gelegen hat, vermag ich nicht zu beurteilen. Schade jedenfalls.

Layla startete mit einer A cappella-Nummer ins Programm – und so war gleich von Anfang an klar: Diese eher zierliche Frau ist mit einem mächtigen Organ ausgestattet, sie kann wirklich singen, sehr gut sogar. Was sie und ihre Band (klassisches Trio-Format) boten, war gut abgehangener Blues-Rock, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und dank ihrer großartigen Stimme gewiss sehr hörenswert. Jan Laacks an der Gitarre bot dazu fingerfertige Soli, die deutlich hörbar an den Größen des Blues- und Hard-Rock geschult waren: Ritchie Blackmore, Jimmy Page oder Tony Iommi hätten sicher ihre Freude am gelehrigen Schüler gehabt. Allerdings überwand er selten die Genre-typischen Muster, wirkte dadurch oft doch arg klischeehaft, wenn auch sehr virtuos.

Am besten gefielen mir ohnehin nicht die „Kracher“ und „Rocker“, sondern die eher langsamen Blues und die ein, zwei ruhigeren und melodiösen Stücke, bei denen das immense Potenzial und die Dynamik der Stimme von Layla Zoe richtig zur Geltung kamen. Schluss- und Höhepunkt (sic!) war die nicht ganz jugendfreie Zugabe, in der Layla von „My guitar player“ schwärmte und ihn dementsprechend „anturnte“. Nun denn: es blieb offen, ob das gut gespielt war oder im echten Leben seine Fortsetzung finden sollte…

Mein Fazit: Layla hat eine Stimme, die sich ohne Übertreibung in Janis‘ Traditionslinie stellen darf. Mit ihrem riesigen Potential wäre sie aber gut beraten, über eine Erweiterung ihres musikalischen Spektrums nachzudenken, etwa in Richtung Soul, Jazz oder sogar Folk und Country. Auch der eine oder andere zusätzliche Musiker, etwa ein versierter Pianist oder ein jazziges Saxophon, könnten einiges an mehr Abwechslung und größerer Bandbreite bewirken. Die göttliche Janis selbst hat doch vorgemacht, wie das gehen kann: „Cozmic Blues“ war (trotz des Titels!) ein über weite Strecken astreines Soul-Album, und „Me and Bobby McGhee“ flirtete heftig mit dem Country-Rock.