Vokal-Jazz im Bamberger Jazzkeller

Esther Kaiser im Bamberger Jazzkeller

Esther Kaiser bot im Bamberger Jazzkeller am 7. Februar eine überzeugende Vorstellung: Die Vokalakrobatin präsentierte mit ihrer eingespielten Combo Songs aus dem Repertoire von Abbey Lincoln. Esther Kaiser hat zwar keine „schwarze“ Stimme, wie ihre „Schwester im Geiste“ (so nannte sie Abbey Lincoln). Aber ihre Stimme ist absolut intonationssicher, sehr wandlungsfähig, warm, lupenrein, mit enormem Umfang. Die Songs, die sie ausgewählt hatte, boten Abwechslung und loteten viele unterschiedliche Stimmungen aus.

Das getragene „A Turtle‘s Dream“ kann man sich hier im Video zu Gemüte führen. „The Music Is the Magic“ bildete den fetzigen Schlusspunkt des zweiten Sets.  Die Songs von Abbey Lincoln sind ja schon im Original oft weit weg vom Jazz-Mainstream, oft schon eher im Singer-Songwriter-Lager angesiedelt, manchmal sogar ziemlich sperrig, für jede Sängerin jedenfalls eine anspruchsvolle Herausforderung. Die Interpretationen von Esther Kaiser wurden dem immer gerecht: Sie sind nicht nur bloße Hommage, sondern tragen die sehr eigene Handschrift der Interpretin. Und ihre Band, allen voran der famose Pianist Tino Derado, grundierten diese Songs ganz fabelhaft. Fazit: ein sehr schönes Konzert, das gern ein paar mehr Zuschauer verdient gehabt hätte.

Lyambiko im JazzkellerGut zwei Wochen später gastierte dann Lyambiko im sehr gut besuchten Jazzkeller, um einen  Querschnitt aus ihrer neuesten CD „Muse“ vorzustellen, auf der sie (fast) ausschließlich Kompositionen von Frauen präsentiert. Ihr Auftritt hinterließ zumindest bei mir einen etwas zwiespältigen Eindruck. Da waren großartige Songs, wie „Horacio“ aus der Feder von Jutta Hipp , absolut hervorragend vorgetragen, oder das soulige „On & On“ von Erykah Badu. Auf der anderen Seite fand ich die 823. Version von „Besame Mucho“ eher überflüssig, auch „Willow Weep for Me“ konnte nicht wirklich überzeugen. Und ob „Landslide“ von Fleetwood Mac-Sängerin Stevie Nicks unbedingt einer Cover-Version würdig ist, wage ich zu bezweifeln. Aber Lyambiko geht nur selten ein (musikalisches) Risiko ein: Mit Gershwins „‘S Wonderful“ nähert sie sich bedrohlich dem Bar-Jazz, auch Nina Simones „Don’t Let Me Be Misunderstood“ hat man schon in überzeugenderen Versionen gehört – nicht zuletzt von der Ur-Interpretin selbst.

Dass es aber trotzdem immer ein unterhaltsamer und abwechslungsreicher (und von Publikum begeistert aufgenommener) Abend bleibt, liegt nicht nur an der nuancenreichen (wenn auch in den ganz hohen Lagen manchmal etwas überfordert wirkenden) Stimme der sympathischen Sängerin, sondern auch und vor allem an ihrer wirklich hervorragenden Instrumental-Truppe. Allen voran Marque Lowenthal, der auch fast zu Tode gespielten Nummern („I Got Rhythm„!) noch ein pianistisches Glanzlicht aufzusetzen weiß. Aber auch Drummer Heinrich Köbberling trug sehr zum guten Eindruck der Begleiter bei: meist sehr reduziert spielend, dabei immer überaus präsent und präzise und abwechslungsreich. Mein Eindruck: ein Konzert wie die Sängerin – sehr hübsch, sehr nett, aber ein wenig profillos.