Neu im meinem CD-Schrank

Sehr erfreulich: so viele Neuerscheinungen wie in diesem Jahr sind schon lange nicht mehr in meinem CD-Schrank gelandet. In den vergangenen Jahren habe ich mich eher in der Vergangenheit bedient und vergessene Perlen gehoben. Der Jahrgang 2016 dagegen bietet bislang etliche wirklich gute Platten – und zwar nicht nur von bewährten Altmeistern, sondern auch von jüngeren Musikern und Musikerinnen. Die neue Scheibe der Tedeschi Trucks Band habe ich an dieser Stelle ja bereits ausführlich gewürdigt. Im Folgenden ein kurzer Überblick über die Neuzugänge der letzten Wochen.

 

Monika Roscher Big Band: Of Monsters and Birds

Für alle, die sich ihre Gehörgänge mal mit ungewohnten Tönen durchblasen lassen möchten. Heutzutage eine Bigband zu formieren, ist ja ohnehin schon ganz schön kühn. Wenn sie dann auch noch so originelle Arrangements spielt, dann ist mein Lob umso größer. Hier werden alle Klangräume ausgelotet zwischen dahingetupften Flötentönen, massiven Bläsersätzen und schneidender E-Gitarre (von der Leaderin selbst gespielt – und sie kann spielen!), die ein solch großes Ensemble bietet. Dazu noch die Stimme von Monika Roscher (die mich ein bisschen an skandinavische Sängerinnen wie Malene Mortensen und Victoria Tolstoy erinnert). Wer sich also auf eine Klangreise zwischen Jazz, Rock und Avantgarde einlassen will, dem sei diese Platte wärmstens empfohlen.

 

Dr. John: Ske-Dat-De-Dat – The Spirit of Satch

Als ich las, welches Konzept hinter der jüngsten Scheibe des New Orleans-Altmeisters Dr. John steht, war ich (ich gebe es zu) zunächst einmal skeptisch: Braucht man das wirklich, eine Hommage an Louis Armstrong und seine Songs? Zumal an so „abgenudelte“ Songs wie „What a Wonderful World“ oder “Mack the Knife“? Ich bekam die CD geschenkt (danke an Andy Lösche und den grünen KV Bamberg-Land) und musste meine Vorbehalte revidieren: Diese Platte ist rundum gut gemacht und kein bisschen peinlich. Das liegt zum einen an dem wirklich respektablen Personal, das sich der alte Mac Rebennack ins Studio geholt hat. Die fabelhaften Trompeter Nicholas Payton, Terence Blanchard und Arturo Sandoval beispielsweise, die Armstrongs Melodien kongenial und frisch interpretieren. Und einige Vokalist/inn/en (Ledisi, Shemekia Copeland u.a.) , die den immer schon ziemlich krächzig-knarzigen Dr. John hervorragend unterstützen. Dazu noch sehr gelungene, abwechslungsreiche Arrangements, die aus bekannten Songs richtiggehende Neuentdeckungen machen. Chapeau!

 

Santana: IV

Ja, genau: Die neue Platte von Carlos Santana mit der Band in ihrer ersten und vielleicht besten Inkarnation. Die Platte, die Andrian Kreye in der SZ „das hundsmiserabelste aller hundsmiserablen Wiedervereinigungsalben“ genannt hat. Da ich aber nicht der Oberbesserwisser des SZ-Feuilletons bin, habe ich da eine klein wenig abweichende Meinung. Sicher: Santana revolutioniert auf dieser Scheibe den Latin-Rock gewiss nicht. Aber warum auch? Schließlich hat es das Genre weitgehend selbst erfunden. Und man wird auf keine Songs finden, die den Ohrwurm-Effekt wie die Klassiker Jingo, Samba Ba Ti oder Soul Sacrifice erreichen. Aber ansonsten: handwerklich gut gemachte, schwungvoll interpretierte und durchaus hörenswerte Rockmusik der gehobenen Güteklasse. Ich wäre froh, wenn das auch Bands hinbekommen würden, die 45 Jahre jünger sind als Santana und seine Kumpane…

 

Gregory Porter: Take Me to the Alley

Bestimmt habt ihr schon etwas über das neue Album von Gregory Porter gelesen. Bestimmt war es etwas Positives. Und ich sage euch: es stimmt. Selten hat ein Künstler die Aufmerksamkeit, die er in der Öffentlichkeit genießt, so verdient wie der Mann mit der Mütze. Die Vorgängerplatte „Liquid Spirit“ hat sich ja für eine Jazz-Platte enorm gut verkauft, das Titelstück schaffte es sogar in die Pop-Charts. Auch das: völlig verdient. Kaum zu glauben, dass so gute Musik sich auch gut verkauft. Porters neue Scheibe hat vielleicht keinen Pop-Hit parat, auch wenn die Uptempo-Nummern “Don‘t Lose Your Steam“ und „French African Queen“ ähnliches Potenzial haben. Aber auch ihr sind gute Verkaufserlöse zu wünschen, gerade weil sie sich dem kommerziellen Kalkül ganz offensichtlich verweigert. Die Platte ist über weite Strecken sehr verhalten, ja: besinnlich. Dahingetupfte Piano-Akkorde von Chip Crawford, zurückgenommene Trompeten-Soli, die an Chet Baker erinnern (Keyon Harrold spielt sie). Selten etwas wildere Saxophon-Linien (von Yosuke Sato und seinem Band-Nachfolger Tivon Pennicott). Aber die Stimme, diese Stimme! Sie macht auch noch aus dem konventionellsten Arrangement eine Song-Perle. Und seine Songs haben eine poetische Tiefe, die selten ist. (Genauso selten, wie ich abgedruckte Songtexte lese!).
Gregory Porter ist ja ziemlich viel unterwegs. Ihn live zu erleben, ist unbedingt empfehlenswert!

Und jetzt bin ich gespannt, was Slowhands neue Platte bringt, die ja demnächst erscheinen wird. Bis jetzt war der Jahrgang 2016 ausgesprochen gut.

„Die trauen sich was!“ – 30 Jahre Grüne Bamberg-Land

Am 30. April feierten die Grünen in Bamberg-Land ein Doppel-Jubiläum: 30 Jahre Kreisverband und 25 Jahre Kreistagsfraktion. Ich hatte die Ehre, die Laudatio halten zu dürfen – und bescherte der Festversammlung in Gundelsheim nicht nur das verdiente Lob, sondern auch einige Überraschungen…

Jubilaeum

Foto: Eike Hallitzky

Als mich Gerhard Schmid vor ein paar Wochen fragte, ob ich beim 30-jährigen Jubiläum der Land-Grünen ein paar Worte sprechen könne, dachte ich mir zuallererst: „Die trauen sich ja was: mich einzuladen, gerade erst frisch aus der Grünen Partei ausgetreten und dann auch noch aus Bamberg, wo sie doch – zumindest am Anfang – immer ein bisschen mitleidig auf die Land-Grünen herabgeschaut haben.“ Aber ein Gespräch mit ihm machte deutlich, dass diese Einladung wirklich ernst gemeint war. Und ich hatte gleich auch die Idee für das Motto dieses Vortrags: „Die trauen sich etwas!

Wer den gesamten Text der Festrede lesen möchte, kann sich die entsprechende Datei (PDF: 30 Jahre Grüne Bamberg-Land) herunterladen.