Wegweiser für zukunftsorientierte Verkehrspolitik

Das schmale, gleichwohl sehr inhaltsreiche Buch der beiden Sozialwissenschaftler Weert Canzler und Andreas Knie befasst sich mit den wesentlichen Aspekten der Digitalisierung des Verkehrs. Die Autoren zeigen die enormen Möglichkeiten auf: für eine ebenso nutzerorientierte und wie umweltverträgliche Gestaltung einer künftigen, nur multi- und intermodal vorstellbaren Mobilität. Zur Sprache kommen aber auch die vielfältigen Hindernisse: eine Autoindustrie, die auf ihre Verkehrs“gerät“ fixiert ist statt die Optionen der Digitalisierung zu nutzen, die in der besseren Auslastung und stärkeren Vernetzung mit anderen Verkehrsmitteln liegen. Ähnliche Defizite konstatieren Canzler und Knie auch bei den Betreibern öffentlicher Verkehrsmittel, die die Chancen des digitalen Zeitalters noch überhaupt nicht erkannt hätten und zu sehr der „Bereitstellungslogik“ verhaftet wären und lediglich innerhalb ihres „Bediengebiets“ denken würden. Und: Die rechtlichen Rahmenbedingungen seien für eine Neuausrichtung des Verkehrs und die Nutzung der digitalen Optionen eher hinderlich als fördernd.

Das Buch (das weitgehend auf soziologisches Fachchinesisch verzichtet und deshalb sehr gut lesbar ist) zeichnet sich dadurch aus, perspektivische Vorstellungen eines digitalisierten Verkehrs mit einer durchaus pragmatischen Herangehensweise zu verbinden, die immer die Nutzer*innen und ihre Bedürfnisse im Auge behält. Fazit: Pflichtlektüre für alle, die an einer zukunftsorientierten Verkehrspolitik in Stadt und Land interessiert sind.

Weert Canzler / Andreas Knie: Die digitale Mobilitätsrevolution. Vom Ende des Verkehrs, wie wir ihn kannten. München, oekom Verlag 2016. 131 S., 12,95 Euro

(Erstveröffentlichung: AKP 1/2017, S. 57)