Haindling in der Nürnberger Meistersinger-Halle

Buchner am Flügelhorn

… und am Saxophon

Hans-Jürgen Buchner, der Mastermind von Haindling, wies gleich in seiner Begrüßung darauf hin: vor 35 Jahren, bei ihrer allerersten Tour, war seine Band auch in Nürnberg aufgetreten, im – damals noch alternativen – KOMM. Ja, das waren noch Zeiten – ich war nämlich bei diesem Konzert dabei. Und wir waren, wer hätte das gedacht, alle eine Portion jünger. Das Publikum in der Meistersinger-Halle (wäre interessant gewesen, wer außer mir das damalige Konzert ebenfalls erlebt hatte!) war dementsprechend weit überwiegend sehr gesetzten Alters. Und man durfte – glücklicherweise! – sitzen, ganz im Gegenteil zu damals im KOMM, wo eher noch Pogo-Atmosphäre geherrscht hatte.

Die Band, in der neben Buchner immerhin noch zwei Ur-Mitglieder spielen, ließ es zu Beginn mit Liedern vorwiegend neueren Datums ziemlich gemütlich angehen. Auch sie haben zugelegt: an Alter, Gewicht, aber auch an Routine und Professionalität. Und sie haben sich Equipment auf dem neuesten Stand der Technik zugelegt. Was kein Fehler ist: Der Sound war nahezu perfekt, sehr klar und transparent. Allenfalls die etwas zu laut abgemischte Bass-Drum des Schlagzeugers könnte man bekritteln.

Außer Hans-Jürgen Buchner von Anfang an dabei: Schlagzeuger Peter Enderlein und Micha Braun an allen möglichen Blasinstrumenten

Der Haindling-Sound ist seit 35 Jahren bewährt: auf der Basis bayerischer Volks- und Blasmusik, angereichert mit viel Jazz, manchmal Pop und inzwischen vielen weltmusikalischen Einflüssen (und den dazu gehörigen exotischen Instrumenten). Typisch immer noch: die zumeist unisono von zwei bis drei Bläsern gespielten Themen. Das ist 100 Prozent eklektizistisch und gleichermaßen 100 Prozent Haindling. Bewundernswert die Vielseitigkeit und Virtuosität aller Band-Mitglieder, allesamt Multi-Instrumentalisten.

Schwung bekam das Konzert beim ersten Klassiker: „Du Depp“ wurde zunächst von der „Haindling Plastic Band“ vorgetragen, als satirischer Hinweis auf die Vermüllung des Planeten mit Plastikabfällen. Die Musiker hatten sich Plastiksäcke übergezogen, die als Percussion-Instrumente dienten, ebenso ging es den mitgebrachten Plastikflaschen. Nach dieser witzigen Einlage ging es mit dem Song dann im bewährt-bekannten Sound weiter: nach wie vor ein echter Hit und eins meiner Lieblingslieder von Haindling.
Zwischendurch durfte das Publikum auch mal aufstehen, Fingerschnipsen, Schunkeln und sich ansonsten gymnastisch bewegen. Aber nicht zu viel: man muss ja aufs Alter achten. 

Buchner, inzwischen ja auch schon 73 Jahre alt, hat sich seinen spitzbübischen Charme bewahrt, erzählte gern mal eine Anekdote und kommunizierte mit dem Publikum (in der großen Halle nicht ganz einfach!). Die Roadies waren stets in Bewegung, brachten immer neue  Instrumente auf die Bühne: Mit Hilfe von zwei Klanghölzern (siehe Foto links oben) und viel Keyboard-Einsatz kam ein Song zustande, der Pink Floyd zur Ehre gereicht hätte. Mit zwei Didgeridoos (oder waren das doch Alphörner? – Foto links unten) und sphärischen Sounds wurde Filmmusik gemacht, dazwischen durfte „Paula“ nicht fehlen. So waren zwei Stunden schnell vorbei: abwechslungsreich, unterhaltsam, musikalisch perfekt dargeboten.

Aber dann war noch nicht Ende: ein knapp halbstündiger Zugaben-Block präsentierte zunächst Buchner als Pianist und Singer-Songwriter. Und danach gab es endlich auch noch zwei der Hits, auf die das – begeisterte – Publikum sicher schon gewartet hatte: „Rote Haar“ und als Rausschmeißer und zum Schwelgen und Mitsingen: „Lang scho nimmer g’sehn“.

Wie passend: Ich hatte Haindling 35 Jahre nicht mehr gesehen. Und es war ein sehr erfreuliches Wiedersehen.

Heute ausnahmsweise: mal etwas Privat-Persönliches

Heute ist es definitiv und ganz offiziell so weit: Ich bin jetzt Rentner. Zeit und Anlass genug also, um eine kurze Rückschau zu halten, auf über 35 Jahre Berufstätigkeit. Und um ein bisschen in die Zukunft zu blicken.
Sieht man einmal von der Zeit ab, in der ich haupt- und ehrenamtlich Kommunalpolitik betrieben habe (also die fünf Jahre als Fraktionsgeschäftsführer der GAL Bamberg und danach von 1990 bis 1998 ehrenamtlich als Stadtrat in Bamberg, davon fünf Jahre als Fraktionsvorsitzender), dann war es in verschiedenen Zusammenhängen die politische Bildungsarbeit, die mich ernährt hat. Erwähnenswert aus meiner Sicht dabei vor allem: Von 1987 an habe ich die Weiterbildung kommunaler Mandatsträger*innen für das GRIBS-Kommunalbüro, die kommunalpolitische Vereinigung der Grünen in Bayern, aufgebaut. Und dann war ich von der Gründung der Petra-Kelly-Stiftung im Jahr 1997 bis gestern als Bildungsreferent für die Stiftung tätig.
In diesen Jahren habe ich einige hundert Seminare, Vorträge, Diskussionsrunden, Workshops, Bildungsreisen und Tagungen geplant, vorbereitet und organisiert, war auch in vielen Veranstaltungen selbst als Referent tätig. Ich konnte dabei viele, viele interessante, kompetente und engagierte Menschen kennen lernen, unter den Referent*innen wie auch bei den Teilnehmenden. Und nach vielen dieser Veranstaltungen hatte ich auch selbst etwas dazu gelernt. Es war – über die Jahre gesehen – ein immer interessanter und fordernder „Job“, die Routinearbeit hielt sich in engen Grenzen. Und: Im besten Fall (vor allem wenn es gelang, Menschen mit unterschiedlichen politischen Orientierungen miteinander ins Gespräch zu bringen) hatte ich das Gefühl, mit dieser Arbeit mehr zu erreichen und zu bewegen als mit meinem langjährigen – und inzwischen ja beendeten –  (partei-) politischen Engagement. Ich schaue deshalb mit Freude und großer Zufriedenheit auf diese Jahre zurück.
Dass das alles so lange und so gut funktioniert hat, liegt vor allem daran, dass ich immer in tollen Teams arbeiten durfte. Bei GRIBS zunächst mit Susanna Tausendfreund und dann mit Peter Gack (mit dem mich eine mittlerweile Jahrzehnte währende politische und berufliche Zusammenarbeit und Freundschaft verbindet), bei der Petra-Kelly-Stiftung vor allem mit Gesa Tiedemann und den anderen Kolleg*innen (Beate Hull, Jonas Jarass, Kathrin Schad und Carmen Romano). Ihnen gilt mein allerherzlichster Dank für das Vertrauen und die konstruktive Zusammenarbeit in all diesen Jahren. Das gilt auch für die jeweiligen Vorstandsmitglieder, die diese Arbeit unterstützt haben, ohne sich übermäßig ins Tagesgeschäft „einzumischen“ – was, wenn ich mir vergleichbare Organisationen in anderen Bundesländern anschaue, beileibe keine Selbstverständlichkeit ist.

Und was bringt die Zukunft?
Der Petra-Kelly-Stiftung bleibe ich auch nach meinem (beruflichen) Ausscheiden verbunden: als Mitglied des Stiftungsrats und auch durch meine weitere Mitarbeit beim Themenportal „Gutes Leben für alle“, das mir sehr am Herzen liegt. Und ich freue mich sehr auf die Bildungsreise nach Barcelona Ende Mai 2018. (Schönstes Abschiedsgeschenk aller Zeiten, übrigens!)
Ansonsten werde ich die Zeit nutzen, mich auch wieder vermehrt politisch zu äußern. Hier auf meinem Blog oder bei Facebook werden das Interessierte verfolgen können. Und vielleicht küsst mich ja die Muse und ich bringe wieder einmal ein etwas umfangreicheres Werk zu Papier. Mal sehen…
Und ich werde, das ist ganz sicher, weiter meiner Musikleidenschaft frönen und Clubs und Konzerthallen unsicher machen. Die ersten Termine stehen schon fest: Haindling, Blues Caravan, JCM. Und natürlich die Abende im Bamberger Jazz-Club, nicht zu vergessen.
Mit anderen Worten: Man sieht, liest und hört sich. Bis dann!

Kurzes Update:

AKP-Artikel

Irgendwie finde ich es immer noch komisch (obwohl es schon über ein halbes Jahr so ist!), neben meinem Namen eine 65 als Altersangabe zu lesen. Aber trotzdem: danke, AKP, danke liebe Rita, für diesen netten „Ruhestands-Artikel“.