Unverzichtbare Lektüre: „Städte für Menschen“

Jan Gehl: Städte für Menschen. Berlin, jovis Verlag 2015. 303 Seiten. 32 Euro

Heute falle ich ausnahmsweise mit der Tür ins Haus: Dies ist ein wirklich großartiges Buch!

Jan Gehl , der dänische Stadtplaner und Architekt, hat eine ganz klare Perspektive: Die Plätze und Straßen einer Stadt müssen sich am Wohl und an den Bedürfnissen der Menschen orientieren, die dort leben, arbeiten, spielen oder sich einfach „nur“ aufhalten. Der öffentliche Raum muss sich am menschlichen Maßstab orientieren („The Human Scale“ ist der Titel eines sehr sehenswerten Dokumentarfilms über die Arbeit Gehls auf der ganzen Welt.) Die Konsequenz ist klar: Eine Stadt- und Verkehrsplanung, die von der Sicht des Autoverkehrs und seiner wesentlich höheren Geschwindigkeit ausgeht, wird diesem Maß nicht gerecht. Wer diese Einsicht umsetzen will, muss „Einladungen“ aussprechen, sich zu Fuß oder mit dem Rad zu bewegen. Das bedeutet: eine  entsprechende Infrastruktur zu schaffen, die das Radfahren, das Zufußgehen und den Aufenthalt im öffentlichen Raum attraktiv, sicher und angenehm machen. Denn die aus jahrzehntelanger Autoorientierung gewonnene Erkenntnis, dass der Neu- und Ausbau von Straßen zusätzlichen Autoverkehr schafft, gilt auch umgekehrt. Wer in Radwege, Fußgängerzonen und anziehende Plätze investiert, wird eine deutliche Zunahme des Fuß- und Radverkehrs ernten können.

Das sind bestimmt keine neuen Erkenntnisse. Aber Gehl weiß sie so überzeugend zu präsentieren, so anschaulich zu beschreiben, so gut mit bereits realisierten Beispielen zu untermauern, dass eigentlich jedeR Verantwortliche (egal, ob als Planer/in oder als Kommunalpolitiker/in) sagen müsste: Ja, so ist es.

Dieses Buch ist: inhaltlich absolut überzeugend, sprachlich trotz zweifacher Übersetzung (vom Dänischen ins Englische ins Deutsche) durchaus ansprechend, empirisch gut belegt, mit vielen Farbfotos sehr nachvollziehbar illustriert. Auch einige Wiederholungen (wahrscheinlich pädagogisch motiviert: damit es auch wirklich alle kapieren!) stören nicht. Und es ist gespickt mit ewigen Wahrheiten wie dieser: „Die ungehinderte Überquerung einer Straße sollte ein Menschenrecht sein und nicht etwas, das man per Knopfdruck ‚beantragen‘ muss.“

Fazit: Pflichtlektüre für alle, die mit Stadt- und Verkehrsplanung zu tun haben.

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